Schnittkästchenplauderei

Als ich Kind war - ja, ist schon ein bisschen her - trug man keine Trachten. Das heißt, die Tracht wurde bei Brauchtumsveranstaltungen schon getragen, aber nur von den unmittelbar Beteiligten. Mein erstes Dirndl, das ich im schon fortgeschrittenen Alter von etwa sechs Jahren bekam, war alles andere als ein richtiges "Kärntner Dirndl". Es war eher im Folklore-Stil der späten 70er-Jahre gehalten.

Und ich glaube, ich hatte es nur einmal für ein Foto angezogen. Es war halt auch ein "Suntegwand" - wie es meine Oma nannte, sprich "Sonntagsgewand". Und das zog man halt nur an solchen an - wahlweise auch bei sonstigen feierlich gehaltenen Terminen. Von Montags bis Samstags war das "Werchtegwand", also die Kleidung für die Arbeitstage angesagt  und ich hatte damals schon irgendwie eine Ahnung, dass das alles nicht mehr in die Zeit passte.

Jetzt, ein paar Jährchen später, denke ich öfters daran zurück und finde den Gedanken eigentlich sehr schön, dass man ein Gewand für den besonderen Tag hat. Ob das nun der Sonntag ist oder jeder andere Tag, den man sich als Highlight in den Kalender geschrieben hat, das ist ja letztendlich völllig egal. Es soll einfach Tage geben, die sich von den anderen Tagen abheben.